Psychologie im Raum: Bildung, Arbeit, Gesundheit, Orientierung

Planung für Heft 1/2019

Einreichungsfrist: 30. Juni 2018

Als Menschen sind wir physische Wesen mit oder in einem Körper, die sich in einer dreidimensionalen, räumlichen Umwelt bewegen. Diese Umwelt ist in den meisten Fällen keine natürliche, sondern eine von Menschen gestaltete. Das gilt für Innen- wie für Außenräume. Die Beziehung von Mensch und Raum ist hochkomplex und keineswegs vollständig verstanden und erforscht. Der Schwerpunkt legt deshalb den Fokus auf die Bedeutung des Raums und möchte Beiträge sammeln, welche die vielfältigen Beziehungen konkreter Räume mit ihren Nutzer*innen theoretisch beschreiben und/oder empirisch untersuchen. Wir wünschen uns Arbeiten, die in der Gesamtschau verdeutlichen, welch eminente Bedeutung Räume für Individuum, Gesellschaft und eine nachhaltige Entwicklung haben, und Wege aufzeigen, wie umweltpsychologisches Wissen dazu beitragen kann, die Beziehung zwischen Mensch und Raum positiv zu gestalten.

 

Wichtige Beiträge im 20. Jahrhundert kamen aus der Philosophie, insbesondere von phänomenologisch orientierten Theoretiker*innen, aber auch aus Ethnologie und Soziologie. Die Psychologie nahm ab den 1960er Jahren diese Konzepte auf und gab ihnen eine spezifisch empirisch-psychologische Prägung. Raumpsychologische Forschung und Theoriebildung bildete ein wesentliches Element der frühen Umweltpsychologie ab den 1960er Jahren, in Deutschland z.B. durch Persönlichkeiten wie Carl Friedrich Graumann und Lenelis Kruse repräsentiert. Methoden wie das Behaviour Mapping, Konzepte wie Dichte, Crowding oder Personal Space stehen in den Lehrbüchern der Environmental Psychology an zentraler Stelle; Studien zur räumlichen Orientierung in Städten und Gebäuden und zu deren kognitiven Grundlagen erlebten im Gefolge der bahnbrechenden Studie „The image of the City“ von Kevin Lynch eine langwährende Konjunktur. Und dennoch: Während in Disziplinen wie den Kunst- und Kulturwissenschaften oder der Soziologie in den 2000er Jahren der „Spatial Turn“ ausgerufen, also eine Rückbesinnung auf das Räumliche konstatiert wurde, findet eine systematische Auseinandersetzung mit der Interaktion von Mensch und Raum in der Psychologie seltener statt. Wir möchten mit dem Schwerpunkt dieses Thema in den Fokus rücken.

 

Wir haben für den Schwerpunkt vier Bereiche ausgewählt, in denen die Umweltpsychologie in der Vergangenheit bedeutende Arbeiten vorgelegt hat, und die aufgrund aktueller gesellschaftlicher, sozialer und/oder technologischer Entwicklungen von besonderer praktischer Bedeutung sind.

 

Die Bereitstellung geeigneter Räume für Bildungsprozesse, von der KiTa bis zur Hochschule, ist eine Zukunftsaufgabe von kaum zu bestreitendem Gewicht. Das Bildungssystem muss Herausforderungen wie Inklusion, Integration, Heterogenität durch strukturelle Innovation und veränderte Lehr-Lern-Prozesse bewältigen; hierfür werden geeignete Räume benötigt. Auch die Arbeitswelt unterliegt einem Veränderungsdruck, der massive Konsequenzen für die Konzeption zeitgemäßer Räume hat. Die vorliegende Forschung zur Frage, welche Konsequenzen Großraumbüros für Arbeitszufriedenheit und Produktivität haben, kann nicht ohne Weiteres auf heutige Bedingungen übertragen werden. Die beiden extremen Typen „Großraumbüro“ und „Einzelbüro“ werden heute in der Regel durch gemischte Formen, die sich graduell unterscheiden, ersetzt. Konzepte wie „Co-Working“, räumlich verteiltes Arbeiten, Arbeiten im virtuellen Raum stellen offensichtlich psychologisch stark veränderte Anforderungen. Die psychologische Untersuchung von Räumen des Gesundheitswesens ist ebenfalls ein Kernthema umweltpsychologischer Forschung. Die bahnbrechende Untersuchung von Roger S. Ulrich (1984), in der die heilungsfördernde Wirkung des Blicks ins Grüne gezeigt wurde, wird bis heute als Gründungsmoment des „Evidence-based Design“ in den Gesundheitswissenschaften angesehen und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte. Ein Thema, das in allen drei angesprochenen Bereichen eine Rolle spielt, ist die Orientierung. Mit zunehmender Komplexität von Gebäuden und Mobilitätssystemen wird es immer anspruchsvoller, sich in diesen zurechtzufinden. Hierbei können digitale Informations- und Leitsysteme helfen, aber nur, wenn sie intelligent auf die tatsächlichen physischen Gegebenheiten und die Bedürfnisse der Nutzer*innen angepasst sind.

 

Uns interessieren sowohl Beiträge, die neues Wissen zu einem oder mehreren der oben genannten Themen hervorbringen, als auch Beiträge, die sich damit auseinandersetzen, wie psychologisch fundiertes Wissen zu diesen Themen aufbereitet, verbreitet und angewendet werden kann. Falls Sie an anderen Themen arbeiten, wie z.B. Wohnen, Urlaub, Notunterkünfte, sind auch diese sehr willkommen.

 

Die Manuskripte durchlaufen das normale Begutachtungsverfahren der Zeitschrift „Umweltpsychologie“. Sie müssen spätestens bis zum
30. Juni 2018 bei der Redaktion eingereicht werden. Allgemeine Informationen zur Manuskriptgestaltung und die Redaktionsadresse finden Sie unter Hinweise für Autor*innen.

 

Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an die betreuenden Herausgeber des Schwerpunkts: Nicola Moczek und Riklef Rambow.

 

Wir würden es zudem sehr begrüßen, wenn Sie uns gegenüber bereits deutlich vor Fristende Ihr Interesse an einer Veröffentlichung im Heft bekunden.

 

 

 

Darüber hinaus können jederzeit weitere Artikel auch zu anderen Themen eingereicht werden, siehe Informationen im Abschnitt Call for Papers.

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