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Klimaschonendes Verhalten

Beiträge der Umweltpsychologie

Andreas Homburg & Florian Lange

 

Stand 1.10.2020

Was kann aus umweltpsychologischer Sicht getan werden, um CO2-Emissionen durch die Förderung klimaschonenden Handelns zu reduzieren?

 

Als Teilantwort auf diese Frage haben wir einschlägige Forschungsarbeiten gesichtet, um in ihrer Wirksamkeit abgesicherte Maßnahmen zur Verhaltensänderung zu identifizieren. Ziel dieser Zusammenstellung ist es, Klimaschutzakteur*innen wissenschaftlich fundiertes Wissen zur Förderung klimaschonenden Verhaltens an die Hand zu geben. Neben der Vorstellung von Maßnahmen, die sich im Allgemeinen als wirksam erwiesen haben, möchten wir dabei auch auf die Grenzen bestehender umweltpsychologischer Evidenz zur Verhaltensänderung hinweisen.

 

Die aktuelle Version dieser Übersicht (Stand 01.10.2020) können Sie hier herunterladen.

Homburg, A. & Lange, F. (2020). Klimaschonendes Verhalten fördern

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Tabelle 1: Übersicht zu Interventionen/Maßnahmen, mit denen sich CO2-Reduktion bzw. klimaschonendes Verhalten fördern lassen

Intervention / Maßnahme

Erläuterung

Beispielhafter Einsatz

1) Finanzielle Anreize

Rabatte, Gutscheine, Lotterietickets oder Geldbeträge, die an das Zeigen von umweltfreundlichem Verhalten gekoppelt werden

Studierenden wurde die Zahlung von 2 Euro angeboten für jedes vegetarische Gericht, das sie innerhalb der Interventionswoche in der Cafeteria erwarben (Kaiser et al., 2020).

2) Vereinfachung des Verhaltens

Umgestaltung des Verhaltenskontextes um die die Ausübung umweltfreundlichen Verhaltens oder die Wahl umweltfreundlicher Alternativen erleichtert

Um das Recycling von Dosen zu erleichtern, wurden die entsprechenden Mülleimer in einem Universitätsgebäude von dem Flur in die Klassenräume verlegt (Ludwig et al., 1998).

3) Feedback

Rückmeldung über Charakteristika umweltfreundlichen Verhalten (z.B. über dessen Häufigkeit) oder über die Konsequenzen dieses Verhaltens (z.B. Energieersparnisse)

Über ein Display wurde Duschenden in Echtzeit zurückgemeldet, wie viel Wasser und Energie sie während des Duschens verbrauchten. Zusätzlich sahen sie eine Animation von einem Eisbären auf einer mit zunehmender Duschdauer schrumpfenden Eisscholle  (Tiefenbeck et al., 2018).

4) Verhaltenshinweise (Prompts)

 

Reize (verbale Aufforderungen, Gesten, Hinweisschilder), die lediglich auf das erwünschte umweltfreundliche Verhalten hinweisen

Um Energie zu sparen wurde ein Poster mit der einfachen Aufschrift „Bitte das Licht ausschalten“ neben den Lichtschaltern in Universitätsräumen positioniert (Zolik et al., 1982-83).

5) Information I:

Informationen zu Verhaltenskonsequenzen

Aufzeigen der Konsequenzen umweltrelevanter Verhaltensweisen (schriftlich, mündlich, visuell) zur Verdeutlichung, warum man ein bestimmtes umweltfreundliches Verhalten umsetzten sollte

Haushalte, die an einer Studie zum Energiesparen teilnahmen, wurden per Email darüber informiert, wie viel Geld oder wie viel CO2 sie mit bestimmten Verhaltensweisen einsparen können (Steinhorst & Klöckner, 2018).

6) Information II: Instruktionen zur Verhaltensausführung

Anleitungen zur konkreten Ausführung von Verhalten (schriftlich, mündlich, visuell) zur Verdeutlichung, wie ein umweltfreundliches Verhalten umgesetzt werden kann oder sollte

Um Energie in zu sparen wurden in einer Broschüre für Büromitarbeiter*innen

u.a. Informationen zur Einstellung der Thermostate gegeben (Staats, Leeuwen & Wit, 2000).

7) Information III:

Informationen zum Verhalten anderer

Informationen über das umweltfreundliche Verhalten anderer, um auf diese Weise einen sozialen Vergleich mit dem eigenen Verhalten zu ermöglichen

Um Ressourcen bei der Handtuchwäsche zu sparen, wurden Hotelgäste über ein Poster im Badezimmer darüber informiert, dass die Mehrheit vorheriger Gäste ihre Handtücher mehr als einmal benutzt haben

(Reese, Loew, & Steffgen, 2014).

8) Soziale Demonstration (Beobachtungslernen)

Zeigen von Personen (direkt oder zum Beispiel durch Filmmaterial), die das gewünschte umweltfreundliche Verhalten demonstrieren

In einem Fernsehprogramm wurde ein junges Paar dabei begleitet, wie es verschiedene Maßnahme ergreift, um Ihren Stromverbrauch zu reduzieren (Winett, et al., 1982)

9) Commitment
(Selbstverpflichtung)

Aufforderungen oder Bitten, sich schriftlich oder mündlich zu einem bestimmten Energiesparverhalten zu verpflichten

Um das Recycling von Altpapier zu fördern, wurden Haushalte persönlich gefragt, ob sie sich für zwei Wochen zum Recycling bereit erklären. Andere Haushalte wurden darüber hinaus gebeten, eine entsprechende Erklärung zu unterzeichnen (Katzev & Pardini, 1983/84).

10) Zielsetzung

Aufforderungen oder Bitten, sich ein Ziel in Bezug auf eine zu ändernde Verhaltensweise zu setzen oder sich mit einem vorgebenden Ziel einverstanden zu erklären

Um die Recyclingquote von Aluminiumdosen zu verbessern, wurde Studierenden das Ziel vorgegeben, täglich vier Dosen zu sammeln (McCaul & Kopp, 1982)

11) Verhaltensplanung (Implementations-absichten)

Aufforderungen oder Bitten, die Ausführung eines umweltfreundlichen Verhaltens konkret zu planen (z.B. zu spezifizieren, in welchem Kontext und in welcher Weise das Verhalten stattfinden soll)

Um die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu fördern, wurden Studierende gebeten, vorab zu spezifizieren, an welchem Tag und in welcher Situation sie den Bus nutzen wollen (Bamberg, 2002).

12) Förderung kognitiver Dissonanz

Lenkung der Aufmerksamkeit von Personen auf die Diskrepanz zwischen ihren Zielen und ihrem aktuellen Verhalten

 

 

Besucher*innen eines Schwimmbades wurden zunächst daran erinnert, dass sie manchmal Wasser verschwenden. Danach wurden sie gebeten, öffentlich andere Leute zum Wassersparen aufzufordern. Die dadurch erzeugte Diskrepanz zwischen eigenem Verhalten und öffentlichem Bekenntnis sollte sie dazu bringen, ihre Duschzeit im Schwimmbad zu verringern (Dickerson et al, 1992).

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