Umweltpsychologie - Ansatz und Anliegen

Volker Linneweber, Universität Magdeburg

Sowohl bei Fachkolleginnen und -kollegen als auch außerhalb der Psychologie stößt man bei Verwendung des Begriffs "Umweltpsychologie" gelegentlich auf Unverständnis. Psychologie - das ist die Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten. Was jedoch ist unter "Umweltpsychologie" zu verstehen?

Umweltpsychologen untersuchen sowohl Einflüsse der Umwelt auf den Menschen als auch die Beeinflussung der Umwelt durch den Menschen. Bedeutend sind dabei Wahrnehmung, Bewertung und Kommunikation entstehender Wechselwirkungen durch Individuen und Gesellschaft.

Eigentlich, so könnte man pointiert sagen, gibt es keine "Umweltprobleme", sondern ausschließlich "Mensch-Umwelt-Probleme". Ein extremes Naturereignis etwa (z.B. eine Überschwemmung) wird erst durch die Betroffenheit von Menschen zu einer Katastrophe. Laute Geräusche werden erst dann zu einer Belastung, wenn Menschen sie als Lärm erleben. Die Zuständigkeit der Psychologie als Umweltsozialwissenschaft wird damit plausibel.

Als Teildisziplin der Psychologie etablierte sich die Umweltpsychologie unter dem Eindruck der aufkommenden Ökologie-Diskussion in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, also erst vor relativ kurzer Zeit. Beeinflusst durch die biologische Ökologie, erlangte sie zunächst Bedeutung als umfassende theoretische Perspektive. Zugleich bot sie den Rahmen für die Anwendung psychologischer Wissensbestände und Methoden auf aktuelle gesellschaftliche Probleme wie beispielsweise den Umgang mit bedrohten natürlichen Ressourcen, die Wirkung industriell genutzter oder erzeugter Substanzen oder die angemessene Gestaltung gebauter Umwelten.

Auf einen Nenner gebracht: Gegenstand der Umweltpsychologie ist die Beschreibung, Erklärung und Veränderung "umweltbezogenen" Erlebens und Verhaltens. Dabei beschäftigen sich Umweltpsychologen unter anderem mit den Themen
  • Umweltwahrnehmung, -beurteilung und -bewertung,
  • Umweltplanung und -gestaltung,
  • raumbezogenes Verhalten und Mobilität,
  • Umweltstressoren (z.B. Lärm, Hitze, Gerüche),
  • Soziale Konflikte beim Umgang mit knappen Ressourcen,
  • Umweltbewusstsein und umweltschützendes Verhalten,
  • Vermittlung bei umweltbezogenen Konflikten (Mediation).
Da wir Menschen uns vorwiegend in Umwelten bewegen, die von Menschen gestaltet wurden, überrascht die enge Verknüpfung mit anderen Teildisziplinen der Psychologie nicht (z.B. Architekturpsychologie, Verkehrspsychologie). Der Bedarf an disziplinübergreifenden Ansätzen zur Bewältigung der globalen Umweltkrise hat darüber hinaus zu Querverbindungen auch mit den umweltbezogenen Teildisziplinen anderer Human- und Sozialwissenschaften geführt (Soziologie, Pädagogik, Ökonomie, Geographie, Medizin).

Die Fachgruppe Umweltpsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) vereint deutschsprachige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (derzeit ca. 100), die sich mit umweltpsychologischen Fragen beschäftigen. Sie wird von einer Sprechergruppe repräsentiert und unterhält eine eigene Homepage. Dort stehen weiterführende Informationen und Querverweise zur Umweltpsychologie zur Verfügung.